ENERGIE · 30. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Deutschland hat die höchsten Strompreise unter allen G20-Staaten

35,6 Cent pro Kilowattstunde – mehr als doppelt so viel wie der G20-Durchschnitt

Hochspannungsleitungen in Deutschland – höchste Strompreise im G20-Vergleich

Strom wird in Deutschland zur Kostenfalle: Im G20-Vergleich zahlen Haushalte hierzulande mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt. Dabei geht mehr als die Hälfte für andere Posten als den reinen Strom drauf.

Was passiert?

Nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis von Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices ist Strom in Deutschland mit 35,6 Cent je Kilowattstunde unter allen G20-Staaten am teuersten. Der G20-Durchschnitt liegt bei rund 16 Cent – Deutschland zahlt also mehr als doppelt so viel. Mehr als die Hälfte des deutschen Strompreises entfällt nicht auf den eigentlichen Strom, sondern auf Steuern, Abgaben und Netzentgelte.

Was sagt die Politik?

Die Bundesregierung verweist auf die Energiewende als notwendige Investition in die Zukunft und hat einzelne Entlastungen beschlossen – etwa die Abschaffung der EEG-Umlage 2022. Gleichzeitig stiegen Netzentgelte und andere Abgabenkomponenten weiter an. Versprechen, Strom 'wettbewerbsfähig' zu machen, sind seit Jahren Teil politischer Programme – mit überschaubarer Wirkung.

Was die Zahlen sagen

35,6 Cent/kWh in Deutschland (Verivox/Global Petrol Prices, 2026). G20-Durchschnitt: ca. 16 Cent/kWh. Ein durchschnittlicher Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt in Deutschland rund 1.246 Euro pro Jahr – in Frankreich etwa 630 Euro, in den USA rund 490 Euro. Über 50 % des deutschen Strompreises bestehen aus Steuern, Abgaben und Netzentgelten.

Gegenargumente

Deutschland hat einen der höchsten Anteile erneuerbarer Energien in Europa und investiert maßiv in die Energieinfrastruktur. Hohe Preise können auch Ausdruck hoher Versorgungssicherheit und Netzstabilität sein. Zudem profitieren Haushalte langfristig von günstigeren erneuerbaren Energien, sobald die Investitionsphase abgeschlossen ist. Einkommensschwache Haushalte werden durch staatliche Unterstützungsleistungen teilweise entlastet.

Bewertung

Dass Deutschland dauerhaft die höchsten Strompreise aller G20-Staaten hat, ist kein Naturgesetz – es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen über Jahrzehnte: träger Netzausbau, komplizierte Abgabenstruktur, späte Investitionen in erneuerbare Energien und eine Energiewende, deren Kosten einseitig bei den Verbrauchern landen. Das schadet Haushalten und dem Wirtschaftsstandort gleichermaßen.

Was wäre vernünftig?

🔴 Nein. Dass der reichste G20-Staat die höchsten Strompreise hat, ist kein Qualitätsmerkmal – es ist ein Politikversagen.