Was ist nur aus den USA geworden?
Vom Leuchtturm der Demokratie zur gespaltenen Nation – eine nüchterne Bestandsaufnahme
Die USA galten jahrzehntelang als Vorbild für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Weltoffenheit. Was ist aus diesem Versprechen geworden – und was bedeutet der Wandel für den Rest der Welt?
Was passiert?
Die Vereinigten Staaten von Amerika waren lange das Referenzmodell westlicher Demokratie: eine unabhängige Justiz, freie Presse, Gewaltenteilung, globale Bündnistreue. Dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Politische Polarisierung auf einem Niveau, das Experten mit Bürgerkriegsnähe vergleichen. Ein Kongress, der sich an Parteigrenzen lähmt. Institutionen unter politischem Druck. Und ein internationales Ansehen, das seit Jahren erodiert.
Was sagt die Politik?
Amerikanische Politikwissenschaftler sprechen offen von einer "demokratischen Erosion" – nicht einem Zusammenbruch, sondern einem schleichenden Prozess. Checks and Balances funktionieren noch, aber sie werden stärker belastet als je zuvor seit dem Bürgerkrieg. International versuchen verbündete Regierungen, die Verlässlichkeit Washingtons nicht öffentlich infrage zu stellen – während sie intern längst Alternativpläne entwickeln.
Was die Zahlen sagen
Laut Pew Research Global Attitudes Survey 2025 vertrauen nur noch 38 % der Deutschen den USA als verlässlichen Partner – ein Rückgang von über 30 Prozentpunkten gegenüber 2016. Das Vertrauen in amerikanische Institutionen ist auch im Inland erschüttert: Nur 28 % der US-Bürger vertrauen dem Kongress, 32 % dem Obersten Gericht. Die Wahlbeteiligung bei der Präsidentschaftswahl 2024 lag bei 63 % – historisch hoch, aber mit einem tiefen Riss durch die Gesellschaft.
Gegenargumente
Die USA haben schon frühere Krisen überlebt – McCarthy-Ära, Vietnam, Watergate, 9/11, die Finanzkrise 2008. Das System hat eine erhebliche Widerstandskraft. Zudem: Die amerikanische Zivilgesellschaft, Universitäten, Medien und lokale Institutionen funktionieren weitgehend. Ein Land mit 340 Millionen Menschen, einer der stärksten Volkswirtschaften der Welt und der modernsten Armee ist nicht so schnell am Ende seiner Geschichte.
Bewertung
Die USA sind nicht gescheitert – aber sie befinden sich in einer ernsthaften Orientierungskrise. Was verloren gegangen ist, lässt sich schwer mit Zahlen messen: das Vertrauen, dass Institutionen stärker sind als einzelne Personen. Dass Fakten zählen. Dass ein Präsident das Amt erhält und nicht umgekehrt. Europa beobachtet das mit einer Mischung aus Sorge und Ungläubigkeit – und sollte aus dieser Entwicklung eine klare Konsequenz ziehen: Europa muss erwachsen werden.
Was wäre vernünftig?
🟡 Teils. Amerika ist noch da – aber das Amerika, das viele im Kopf haben, existiert so nicht mehr.