Mietenreport 2026: Wohnungskrise wird zur Sozialstaatskrise
Wer den Sozialstaat stärken will, muss den Wohnungsmarkt reparieren
58 Prozent der Mieter berichten von gestiegenen Wohnkosten. 1,4 Millionen Wohnungen fehlen. Der Bestand an Sozialwohnungen ist auf ein Rekordtief gefallen. Der Mieterbund warnt: Die Wohnungskrise ist längst zur Sozialstaatskrise geworden.
Was passiert?
Der Deutsche Mieterbund hat seinen Mietenreport 2026 vorgestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Wohnungs- und Mietenkrise hat sich auf hohem Niveau verfestigt und entwickelt sich zunehmend zur Sozialstaatskrise.
Eine repräsentative Befragung zeigt die wachsende Unsicherheit:
- 58 Prozent berichten von gestiegenen Wohnkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate
- 29 Prozent sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können
- Jeder Zweite befürchtet, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden
- Mehr als jeder vierte Mieter könnte die eigene Wohnung nach einem starken Einkommensverlust höchstens noch drei Monate halten
Was sagt die Politik?
DMB-Präsidentin Dr. Melanie Weber-Moritz fordert einen grundlegenden Kurswechsel:
- Mieten begrenzen statt Sozialleistungen kürzen
- Massiv in dauerhaft bezahlbaren Wohnraum investieren
- Mieterinnen und Mieter wirksam vor Wohnungsverlust schützen
Wohnen ist kein Spekulationsobjekt, sondern ein Grundrecht. Bezahlbares Wohnen ist die Grundlage für soziale Sicherheit und einen leistungsfähigen Sozialstaat.
Was die Zahlen sagen
Die wichtigsten Zahlen des Mietenreports 2026:
- 52,8 Prozent der Bevölkerung wohnen zur Miete
- 78,4 Prozent der armutsbetroffenen Menschen wohnen zur Miete
- 11,2 Prozent der Bevölkerung mussten 2025 mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aufbringen
- 35 Prozent der armutsbetroffenen Menschen sind extrem wohnkostenüberlastet
- Mehr als jede vierte armutsbetroffene Person lebt in einer überbelegten Wohnung
- Rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland
- Rund 1,03 Millionen Sozialwohnungen gab es 2025 – ein Rekordtief
- 2025 liefen mehr als doppelt so viele Sozialbindungen aus als neue Sozialwohnungen geschaffen wurden
- Rund 1,2 Millionen Haushalte bezogen Ende 2024 Wohngeld
Gegenargumente
Auf der anderen Seite der Debatte stehen gewichtige Argumente:
- Mietpreisbremsen können Investitionen in Neubauten bremsen und das Angebot langfristig verknappen
- Staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt haben historisch oft unbeabsichtigte Folgen gehabt
- Die Ursache der Krise liegt auch in jahrzehntelang vernachlässigten Genehmigungsverfahren, hohen Baustandards und steigenden Grundstückspreisen
- Mehr Bürokratieabbau beim Baün könnte mehr bewirken als Mietregulierung
- Deutschland baut laut IW Köln die teuersten Sozialwohnungen Europas – das liegt auch an eigenen Regulierungen
Bewertung
Die Zahlen sind eindeutig: Deutschland hat ein strukturelles Wohnraumproblem, das sich direkt auf den Sozialstaat auswirkt. Wenn 78 Prozent der armutsbetroffenen Menschen Mieter sind und ein Drittel davon extrem wohnkostenüberlastet ist, dann ist Wohnpolitik keine Randnotiz – sie ist Sozialpolitik.
Zwei Dinge müssen gleichzeitig passieren:
- Deutlich schneller und günstiger bauen – weniger Standards, kürzere Genehmigungsverfahren, weniger Auflagen
- Den bestehenden Sozialwohnungsbestand sichern – das Auslaufen von Sozialbindungen muss gestoppt oder ausgeglichen werden
Wer nur auf Mietregulierung setzt, ohne das Angebot zu erhöhen, verwaltet die Krise. Wer nur auf mehr Neubau setzt, ohne den bestehenden Bestand zu schützen, hilft den Menschen nicht, die jetzt betroffen sind.
Was wäre vernünftig?
🟡 Die Wohnungskrise ist real und die Zahlen sind alarmierend. Aber die Lösung liegt nicht in einer einzigen Maßnahme. Deutschland braucht beides: einen funktionierenden Wohnungsmarkt mit deutlich mehr Angebot und einen wirksamen Schutz für Menschen, die heute schon am Limit sind.
Die Zahlen und Forderungen in diesem Beitrag basieren auf der Pressemitteilung des Deutschen Mieterbundes zum Mietenreport 2026 vom 1. September 2026. Die Einordnung, Gegenargumente und Bewertung sind unsere eigene redaktionelle Analyse.